Zurück zum WissensbereichFiltration

5 mg/l AFS im Ablauf erreichen: Betrieblicher Nachweis und Monitoring

Tuchfilter und Scheibenfilter ermöglichen die zuverlässige Einhaltung von 5 mg/l AFS im Kläranlagenablauf. Erfahren Sie, wie betrieblicher Nachweis, Messtechnik und kontinuierliches Monitoring in der Praxis gelingen.

2026-08-22 4 Min. Lesezeit
5 mg/l AFS im Ablauf erreichen: Betrieblicher Nachweis und Monitoring

Engineering Hub: Auslegung für Ihre Anlage

Beschreiben Sie Ihr Ziel, Ihren Grenzwert oder Ihr Schlammvolumen und erhalten Sie eine Technologie-Vorauswahl samt Auslegungsvorschlag – per E-Mail, ohne Telefonat.

AFS unter 5 mg/l im Ablauf erreichen – Betrieblicher Nachweis und Monitoring

Verschärfte Einleitgrenzwerte stellen Kläranlagenbetreiber vor eine doppelte Herausforderung: Nicht nur die technische Einhaltung des Grenzwerts von 5 mg/l abfiltrierbare Stoffe (AFS) muss sichergestellt werden – ebenso entscheidend ist der lückenlose dokumentarische Nachweis gegenüber der Genehmigungsbehörde. Wenn das Nachklärbecken bei hydraulischen Lastspitzen an seine Grenzen stößt, reicht eine gelegentlich gute Stichprobe nicht mehr aus. Gefragt ist ein robustes Gesamtsystem aus Filtrationstechnik, Online-Messtechnik und Probenahmeprogramm.

Warum das Nachklärbecken bei Lastspitzen versagt

Das Nachklärbecken ist auf einen bestimmten hydraulischen Bereich ausgelegt. Bei Regenereignissen oder industriellen Lastspitzen steigt die Zulaufmenge, die Oberflächenbeschickung erhöht sich, und Schlamm wird mitgerissen. AFS-Konzentrationen von 15–30 mg/l im Ablauf sind in solchen Situationen keine Seltenheit. Für Anlagen mit einem Grenzwert von 5 mg/l AFS bedeutet das: Jede Lastspitze wird zum Compliance-Risiko.

Die Lösung liegt in einer nachgeschalteten tertiären Filtration, die genau diese Schwankungen abpuffert.

Tertiäre Filtration als Grenzwert-Sicherheitsnetz

Tuchfilter-Scheibenfilter – Funktionsprinzip und Leistung

Die Tuchfiltration mit Scheibenfiltern hat sich als zuverlässige Stufe zur Nachfiltration nach dem Nachklärbecken etabliert. Das Prinzip: Das Abwasser durchströmt rotierende Filterscheiben, die mit einem feinporigem Tuchgewebe bespannt sind. Partikel werden auf der Tuchoberfläche zurückgehalten, während das geklärte Wasser hindurchtritt. Bei steigendem Differenzdruck erfolgt eine automatische Rückspülung – ohne Unterbrechung des Betriebs.

Typische Leistungsparameter

Ablauf-AFS
< 5 mg/l bei Auslegungsdurchfluss
Hydraulische Last
3–8 m/h Flächenbelastung
Rückspülwasser
< 2 % des Durchsatzes

< 5 mg/l

Typischer Ablauf-AFS

> 95 %

AFS-Rückhalt

Entscheidend für den Compliance-Nachweis ist die Konstanz dieser Werte. Tuchfilter-Scheibenfilter arbeiten weitgehend unabhängig von Zulaufschwankungen, solange die hydraulische Auslegung den Spitzendurchfluss abdeckt. Die Flächenbelastung von 3–8 m/h lässt sich durch Modularität an unterschiedliche Anlagengrößen anpassen.

Nachfiltration nach Nachklärbecken – Auslegungsaspekte

Bei der Dimensionierung einer Nachfiltrationsanlage sind folgende Parameter maßgeblich:

  • Maximaler Spitzendurchfluss (nicht nur Tagesmittel)
  • Zulauf-AFS-Konzentration bei Lastspitzen (typisch 15–40 mg/l)
  • Erforderliche Ablaufqualität (hier: < 5 mg/l AFS)
  • Verfügbare Fläche und Einbauhöhe (relevant für vertikale Bauform)

Für beengte Platzverhältnisse bietet die vertikale Bauform des Tuchfilter-Scheibenfilters eine platzsparende Alternative, bei der die Filterscheiben senkrecht angeordnet sind und der Platzbedarf gegenüber der horizontalen Variante deutlich reduziert wird.

Online-AFS-Messung und Nachweisdokumentation

Welche Messtechnik ist erforderlich?

Für den behördlichen Compliance-Nachweis reichen Stichproben allein in der Regel nicht aus – insbesondere wenn der Grenzwert bei Lastspitzen eingehalten werden muss. Empfehlenswert ist eine kombinierte Strategie:

  • Kontinuierliche Online-Trübungsmessung (Nephelometrie) im Ablauf des Filters als Surrogatparameter für AFS
  • Regelmäßige gravimetrische AFS-Laboranalysen zur Kalibrierung des Trübungssensors
  • Ereignisbasierte Beprobung bei Regenereignissen oder erhöhtem Zulauf
  • Datenlogging mit Zeitstempel für die Behördendokumentation

Messtechnischer Hinweis

Online-Trübungssensoren liefern einen kontinuierlichen Datenstrom, ersetzen jedoch nicht die gravimetrische AFS-Bestimmung nach DIN EN 872. Für eine belastbare Korrelation zwischen Trübung (FNU/NTU) und AFS (mg/l) sollten anlagenspezifische Kalibriergeraden aus mindestens 20–30 Messpunkten erstellt werden. Die Kalibrierung ist nach Änderungen im Zulauf (z. B. Industrieeinleiter) zu überprüfen.

Probenahmeprogramm für den Compliance-Nachweis

Ein strukturiertes Probenahmeprogramm umfasst typischerweise:

  • Tägliche automatische 24-Stunden-Mischproben im Ablauf
  • Manuelle Kontrollproben bei außergewöhnlichen Betriebszuständen
  • Dokumentation von Rückspülzyklen und Differenzdruckverläufen
  • Archivierung aller Messdaten in einem auditfähigen System

Checkliste Compliance-Nachweis

  • Online-Trübungssensor im Filterablauf installiert und kalibriert
  • Kalibrierkorrelation Trübung/AFS dokumentiert und aktuell
  • 24-Stunden-Mischprobenahme automatisiert und protokolliert
  • Betriebsdaten (Durchfluss, Differenzdruck, Rückspülzyklen) kontinuierlich geloggt
  • Ereignisbezogene Probenahme bei Lastspitzen im Betriebshandbuch verankert

Konstante Ablaufqualität bei wechselnden Lasten

Ein wesentlicher Vorteil der Tuchfiltration gegenüber dem Nachklärbecken ist die weitgehende Entkopplung von Ablaufqualität und hydraulischer Belastung. Während das Nachklärbecken bei steigender Beschickung schlechtere Ablaufwerte liefert, reagiert der Tuchfilter-Scheibenfilter mit erhöhter Rückspülfrequenz – die Ablaufqualität bleibt dabei im Zielbereich. Diese Eigenschaft ist für den Compliance-Nachweis von zentraler Bedeutung: Die Behörde erwartet nicht nur gute Mittelwerte, sondern die Einhaltung des Grenzwerts auch in Spitzensituationen.

Wie erreichen Tuchfilter-Scheibenfilter AFS-Werte unter 5 mg/l+

Tuchfilter-Scheibenfilter erreichen AFS-Werte unter 5 mg/l durch die Kombination aus feinem Filtergewebe mit Maschenweiten von 10 bis 20 Mikrometern und einem kontinuierlichen Gegenstrom-Rückspülverfahren. Das Filtermaterial hält feinste Schwebstoffpartikel zurück, während die automatische Reinigung eine gleichbleibend hohe Filterleistung sicherstellt. Durch die große aktive Filterfläche der einzelnen Scheiben wird selbst bei schwankenden Zulaufkonzentrationen eine zuverlässige Ablaufqualität erzielt.

Welche Möglichkeiten der Online-Messtechnik eignen sich zur Nachweisführung bei der Überwachung von Tuchfiltern?+

Zur kontinuierlichen Überwachung und behördlichen Nachweisführung empfehlen sich Online-Trübungsmessgeräte oder Feststoffsensoren im Ablauf des Tuchfilters. Diese Geräte erfassen Grenzwertüberschreitungen in Echtzeit und ermöglichen eine lückenlose Dokumentation der Ablaufqualität. Die Messdaten lassen sich in vorhandene Prozessleitsysteme integrieren und für Betriebstagebücher sowie Behördenmeldungen automatisiert aufzeichnen.

Wie gehen Tuchfilter-Scheibenfilter mit hydraulischen Belastungsspitzen um?+

Tuchfilter-Scheibenfilter sind für den Umgang mit hydraulischen Lastspitzen ausgelegt, da ihre großflächige Filtergeometrie kurzfristige Durchflusserhöhungen ohne Qualitätsverlust im Ablauf abpuffern kann. Bei steigendem Wasserspiegel im Filterbecken schalten sich zusätzliche Filtersegmente automatisch zu, sodass die Filterkapazität bedarfsgerecht angepasst wird. Eine vorgeschaltete Ausgleichsbeschickung oder ein Zulaufpuffer kann ergänzend eingesetzt werden, um extreme Spitzenabflüsse weiter zu glätten.

Engineering Hub: Auslegung für Ihre Anlage

Beschreiben Sie Ihr Ziel, Ihren Grenzwert oder Ihr Schlammvolumen und erhalten Sie eine Technologie-Vorauswahl samt Auslegungsvorschlag – per E-Mail, ohne Telefonat.

Verwandte Artikel