Die Situation ist bekannt: Die Genehmigung wird erneuert, der TSS-Grenzwert sinkt von 15 oder 10 mg/l auf 5 mg/l, und das vorhandene Nachklärbecken hält den Wert an einem trockenen Dienstag – aber nicht beim nächsten Starkregen. Ein neues Nachklärbecken löst das Problem, verschlingt aber ein Bau-Budget, das meist nicht zur Verfügung steht.
Die pragmatische Lösung ist eine tertiäre Filtration. Sie wird hinter der biologischen Stufe installiert, entfernt den restlichen Flockenabrieb, der das Nachklärbecken verlässt, und lässt sich in der Regel in bestehende Bauwerke einbinden.
Typischer Auslegungsfall
- Zulauf-TSS
- 10–25 mg/l
- Zielwert Ablauf-TSS
- < 5 mg/l
- Zu berücksichtigender Spitzenfaktor
- 1,5–2,5 × Trockenwetterzufluss
- Filtrationsstufe
- Tuchfilter-Scheibenfilter
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Warum das Nachklärbecken bei Spitzenbelastung zuerst versagt
Ein Nachklärbecken arbeitet nach dem Schwerkraftprinzip – seine Leistung hängt von der Flächenbelastung und der Absetzeigenschaft des Schlamms ab. Zwei Effekte sind typischerweise ursächlich für Grenzwertüberschreitungen:
- Durch Regen oder Fremdwasser steigt die Flächenbelastung, es bleibt weniger Absetzzeit.
- Fadenwuchs oder ein hoher Schlammspiegel führen dazu, dass feine Flocken mit dem Überlauf austragen.
Beide Ursachen sind hydraulisch bzw. biologisch bedingt – sie können nicht einfach chemisch „zugegeben“ werden. Eine nachgeschaltete Barriere, die unabhängig von der Sinkgeschwindigkeit arbeitet, stabilisiert den Ablaufwert.
Was Tuchfiltration anders macht
Tuchfiltersysteme arbeiten mit Textilscheiben und einer aufgestellten Polschicht. Das Wasser durchströmt die Scheiben von außen nach innen; Feststoffe werden in und an der Polstruktur zurückgehalten, das Filtrat verlässt den Filter über die Hohlwelle. Steigt der Differenzdruck, wird nur das betroffene Segment rückgespült – der Filterbetrieb läuft weiter.
< 5 mg/l
erreichbarer TSS-Ablaufwert im tertiären Betrieb
< 0,01 kWh/m3
typischer spezifischer Energiebedarf
< 1 %
Rückspülwassermenge bezogen auf den Durchsatz
Warum ein geringer Rückspülwasseranteil wichtig ist
Rückspülwasser wird an den Zulauf der Anlage zurückgeführt. Ein Filter mit 5 % Rücklauf steigert die interne Last Ihrer Biologie spürbar; mit unter 1 % bleibt dies vernachlässigbar.
Auslegung: Die vier entscheidenden Zahlen
Die Filterfläche ergibt sich aus der hydraulischen Belastung und der zulässigen Flächenleistung, die wiederum von der Feststofffracht abhängig ist. Eine belastbare Auslegung ist mit Mittelwerten allein nicht möglich.
Diese Daten sollten Sie für ein Angebot erfassen
- Tageszufluss und Spitzestunde, idealerweise als 24h-Profil
- Zulauf-TSS als Bandbreite, nicht nur jahresbezogener Mittelwert – nennen Sie den 85. Perzentilwert, falls vorhanden
- Geforderter Ablaufwert und die Mittelungsdauer laut Genehmigung
- Vorhandene Beckengeometrie, Wasserstände und Ablaufbauwerk
- Ob im Zulauf zugegeben wird: Fällmittel oder Polymer
Ein Einzelwert ist keine Auslegungsbasis
Filterstufen werden für die Lastspitze dimensioniert. Bei Auslegung nach dem Mittelwert erscheint die Variante im Angebot attraktiv – und fällt beim ersten Regen ab.
Nachrüstung oder Neubau?
Tuchfilter-Scheibenfilter sind als freistehende Kompaktanlage und als vorhandene-Becken-Variante lieferbar. Besteht ein freies Becken, ein stillgelegter Sandfilter oder Klärbecken, kann die Einbaulösung fast immer ohne neue Bauarbeiten realisiert werden.
| Situation | Empfohlene Lösung |
|---|---|
| Freies Becken vorhanden | Einbauscheibenfilter, kein Neubau nötig |
| Kein Becken, geringe Stellfläche | Kompaktanlage – Vertikalscheibenfilter |
| Sehr niedrige Einbauhöhe | Horizontalscheibenfilter |
| Zusätzlich P-Grenzwert | Filter plus vorgeschaltete Fällmitteldosierung |
Phosphorelimination in einem Schritt integrieren
Wird zeitgleich auch Phosphor verschärft, kann die Filtrationsstufe das Fällprodukt übernehmen. Das Fällmittel wird vorgelagert dosiert, der ausgefällte Phosphor im Flockenverbund gebunden und mit entfernt. Filtration bedient also zwei Grenzwerte in einer Stufe – was die Investition in der Regel wirtschaftlich macht.
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Technische DatenKönnen Tuchfilter-Scheibenfilter einen Sandfilter ersetzen?+
Im tertiären Einsatz, ja. Sie benötigen deutlich weniger Fläche, viel geringere Energie und erzeugen weniger Rückspülwasser. Sandfilter sind immer dann relevant, wenn echte Tiefenfiltration mit langen Standzeiten gefordert ist.
Welche Ablaufwerte sind realistisch?+
Bei stabiler Biologie werden < 5 mg/l routinemäßig erreicht; < 2 mg/l sind mit Fällmittelunterstützung und moderater Belastung erreichbar.
Wie lange dauert eine Nachrüstung?+
Die Lieferzeit der Anlage ist entscheidend. Wird ein vorhandenes Becken genutzt, ist die Installation meist in Tagen erledigt – nicht in Monaten.
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